Tragikkomödien können es so in sich haben

Am hiesigen Theater wurde unlängst ein interessantes Stück uraufgeführt. Der Herz Kreislauf wird dabei angeregt. Es handelt von Personen, die sich des Lebens nicht zu erwehren wissen oder zumindest glauben, sich des Lebens nicht erwehren zu können. Gut versorgt, weil nicht nur aus gutbürgerlichem Hause, sondern auch noch mit besonders großem Reichtum versorgt, wurde schon so mancher Spross reicher Wirtschaftstreibender zum Terroristen und Querschläger. Völlig losgelöst von der Realität, entschlossen einige dieser jungen Leute in den Untergrund zu gehen, um von dort aus, eine ganz spezifisch eigen angelegte Revolution für die Massen da oben zu veranstalten. Nicht bedenkend, dass es doch völlig unüberlegt ist zu glauben, die Massen würden einer Befreiung durch deartige Witzfiguren zustimmen. Angewidert vom Gedanken, Kapitalisten könnten sich mittels Zahn Implantate Gesundheit erkaufen, planen vier Freunde oben genannter Kreise, eine Aufklärungskampagne der besonderen Art. Mit viel Einfühlungsvermögen appelieren Sie mit Flugblättern, und wettern auch gegen jenen Chauffeurdienst München, der ihre eigenen Eltern tagtäglich von Politikerzusammenkünften zu den nächsten Vorstandstreffen chauffiert. Als Hunde Impfungen brandmarken Sie derlei Treffen von Politik und Wirtschaft. Als Elefantenrunden und geistleere Veranstaltungen sehen Sie all die Lobbyarbeit ihrer eigenen Eltern.

Sie winden sich bei dem Gedanken, dass die eigenen Familien Bestandteil der von Ihnen doch so verhassten und ungeliebten Klasse sind. Und dennoch bringen gerade sie, die Jungen, nicht die Kraft auf, dagegen anzukämpfen: Den Gedanken freien Lauf zu lassen und wirtschaftliche Alternativen vorzubereiten, welche auch die ältere Generation zu überzeugen wissen. Die Notwendigkeit der wirtschaftspolitischen Umgestaltung hin zu mehr Demokratie des Einzelindividiums und zu mehr Einflussnahme des Volkes.
Letztendlich bleibt in dem Stück bis zum letzten Akt unersichtlich, ob die Jungen es schaffen werden, den Alten doch noch die Richtung vorzugeben. Eine Richtung, in der es nicht nur wirtschaftlich nach oben geht, sondern endlich auch demokratiepolitisch voran. Der Vorhang fällt, und die Entscheidung über Sein oder nicht Sein einer sich aufbäumenden jungen Gesellschaft der Widerspenstigen wird auf das „Übermorgen“ vertagt.

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